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"Der Spiegel der Kommode" von Lynn Cherubin (12 Jahre)

Kartons, Kartons! Überall stehen diese blöden Umzugkartons im Weg. Ich kann sie nicht mehr sehen. Erst mussten sie wochenlang gepackt werden dann verladen und ins neue Haus getragen werden. Doch dieser hier ist der letzte gewesen.
Wir sind mit allem in Düsseldorf angekommen. Toll! Ich wollte gar nicht hierher. Aber der Job von meinem Vater geht einfach vor.
Doch damit ihr versteht, worum es hier eigentlich geht, erzähl ich euch die Geschichte von Anfang an.

Vor cirka 6 Monaten saßen wir, das sind meine Eltern und meine kleine Zickenschwester Lilly und ich, beim Abendessen. Mutter hatte den Tisch heute besonders schön gedeckt, was meistens für eine Überraschung sorgte. Vor dem Nachtisch räusperte sich mein Vater und schaute hilfesuchend meine Mutter an.
„ Wir haben eine Neuigkeit für euch, für uns...", stammelte meine Mutter. „Ja, das stimmt. Ähmm...," stotterte mein Vater. Ungeduldig rief Lilly : „Redet doch endlich Klartext, ist ja nicht auszuhalten, Was ist eigentlich Ios?"
Da teilte uns mein Vater mit, dass wir umziehen müssen. Ich setzte gerade zum Protest an, als mir meine Schwester zuvor kam: „Wir können doch nicht einfach umziehen, alle meine Freunde sind hier. Ich gehe hier in die Schule. Ihr hättet wenigstens vorher mit uns sprechen müssen." Ich nickte eifrig.
„Wohin ziehen wir denn?" fragte ich.
Mein Vater begann zu erklären: „ Aus beruflichen Gründen muss ich vom Land in die nächst größere Stadt. Wir haben ein wunderschönes Haus am Rande von Düsseldorf gekauft. Meine Kunden wollen den weiten Weg nicht mehr auf sich nehmen und ich hoffe, in Düsseldorf noch viele Kunden zu gewinnen.
Das Haus hat einen großen Garten, wir haben sogar einen Pool zum Schwimmen. Da könnt ihr eure Freunde auf eine Poolparty im eigenen Garten einladen." „Welche Freunde, Papa?", fragte ich" wir kennen dort Niemanden!"
Worauf meine Zickenschwester sich wieder mal über mich lustig machte und rief: „ Welche Freunde, du hast hier doch auch keine Freunde, du Träumer. Für dich ändert sich nichts. Lesen und träumen kannst du auch in Düsseldorf."
Ja, das stimmte! Ich habe wirklich nur wenige Freunde. Ich lese sehr gerne und vergesse manchmal die Zeit. Dann träume ich mich in die alten Geschichten, die ich in den Büchern meines Vaters stehen, hinein. Am liebsten mag ich Geschichten aus dem alten Ägypten. Aber ich lese fast alles bevor mein Vater die alten Bücher weiterverkauft. Deshalb habe ich in den Spitzname „Träumer".

Das alles war vor ca. 6 Monaten. Wir haben die ganze Zeit nur noch eingepackt. . Einen Karton nach dem anderen. Mutter sagte 20-mal am Tag wir sollen nur das einpacken und mitnehmen was wir wirklich noch brauchen. Ich habe viele alte Klamotten aussortiert, aber alle meine Bücher hab ich eingepackt. Die Kartons sind so verdammt schwer, dass man sie kaum tragen konnte. Und letztlich wurden es doch noch mehr als wir erwartet hatten.
Meine kleine Schwester ging keine Kompromisse ein. Sie packte jedes Teil ein. Egal ob es noch gebraucht wurde oder nicht. Jedes Stofftier, jede Puppe und ihren pink glitzernden Krimskrams. Dabei spielt sie schon lange nicht mehr mit Puppen.
Selbst Mama, die den gesamten Hausrat in Kisten verstaute, hatte weniger Kartons als Lilly. Wir hatten wochenlang Stress. Mal war ein Buch für die Schule verschwunden, dann fehlte ein T-Shirt für Zickenlilly. Nur Paps war recht entspannt. Er ging täglich arbeiten, und bekam von der Hektik zu Hause nichts mit. Am Abend fuhr er nach Düsseldorf und richtete bis spät in der Nacht seinen neuen Laden ein. Auch hatte er mit der Packerei zu Hause nichts zu tun. Endlich war alles verstaut und der Tag des Umzugs war gekommen.
Die Möbelpacker kamen um die großen Teile zu transportieren.
Selbst die alte Kommode und der hässlich große Spiegel wurden gegen den Willen von Mama in den Möbelwagen gepackt.
Vater hatte darauf bestanden beides mit ins neue Haus zu nehmen. Wir alle konnten das nicht verstehen. Hat dieses hässliche Teil doch immer im Keller gestanden. Doch mit Papa war darüber nicht zu reden.
Im Haus angekommen wurden Kommode und Spiegel auf denn Dachboden getragen. Die Packer fluchten laut, doch mein Vater hatte kein Erbarmen. Nachdem wir das Gröbste aufgebaut hatten und die wichtigen Dinge aus den Koffern und Kartons in die Zimmer gebracht hatten, schauten wir uns an, wie unsere Zimmer eingerichtet worden waren.
Ich fand mein Zimmer wirklich schön. Ich hatte ein helles Grün streichen lassen und es passte super zu meinen Möbeln.
Lilly hatte ein ganz neues Zimmer bekommen. Es wurde auf ihren Wunsch pink gestrichen. Schrecklich! Aber das ist wohl die Farbe einer 10-jährigen.
Im Moment steht sie voll auf Glitzer, Pink, Nagellack. Manchmal schminkt sie sich sogar mit Mamas Kosmetika.
In den folgenden Tagen hatten wir alle wieder nur Stress. Keiner fand seine Sachen, auspacken, verstauen und Kartons wegräumen.
Außerdem wurden wir in der neuen Schule aufgenommen. Lilly war sofort im Mittelpunkt, weil sie schon am ersten Tag alle Mädchen ihrer Klasse zur Gartenparty bei uns einlud.
Aber auch ich hatte einen kleinen Vorteil. Meine Noten in der alten Schule waren nicht so besonders gewesen. Die Lehrer hier kannten mich noch nicht und bemühten sich sehr, mich auf den Stand der Klasse zu bringen.
Auch Vater hatte seinen Laden bereits eingerichtet und plante schon die nächste Geschäftsreise.
Zwei Tage bevor er verreisen wollte, war er plötzlich verschwunden.
Wir haben es erst gar nicht bemerkt. Mama dachte er sei in seinen Laden gefahren und wir Kinder waren in der Schule.
Als wir nach Hause kamen, suchten wir Papa im Garten und im Haus. Doch er war nicht da.
Ich fragte meine Mutter wo Papa denn sei, und sie sagte, dass er wohl in die Stadt gefahren sein muss. Das konnte nicht sein, denn das Auto von ihm stand vor der Garage. Fahrrad fahren war meinem Dad ein Graus. Außerdem war es viel zu weit in die Innenstadt.
So dachten wir, er ist bei den Nachbarn um sich vorzustellen oder schaut sich in unserem Viertel um.
Doch er kam auch am Abend nicht nach Hause. Wir machten uns große Sorgen. Versuchten ihn über sein Handy zu erreichen- ohne Erfolg, es war abgeschaltet Papa war verschwunden. Wir waren ratlos.
Als er am folgenden Tag auch nicht auftauchte rief meine Mutter die Polizei an, und gab eine Vermisstenanzeige auf.
Lilly heulte einen ganzen Tag lang. Damit wir etwas abgelenkt wurden, schickte meine Mutter uns wieder zur Schule.
Lilly wurden von allen getröstet und war mal wieder der Mittelpunkt!
Ich zog mich zurück.
Da Mama an diesem Tag eh keine Nerven für Irgendetwas hatte, nutze Lilly die Gunst der Stunde. Sie hatte sich in den Kopf gesetzt den großen Spiegel von der ollen Kommode in ihr Zimmer zu bekommen.
Ich schleppte ihn die Treppe hinunter, damit die Zicke endlich Ruhe gab. Lilly wollte ihn an die Wand stellen. Dabei brach sie die untere Ecke des Spiegels ab.
Mir war es egal, ich mochte diesen Spiegel sowieso nicht.
Komisch war nur, dass ich immer wenn ich in Lillys Zimmer war, das Gefühl hatte, mein Vater wäre in der Nähe.
Am nächsten Tag fand Lilly ein altes Buch auf dem Boden ihres Zimmers. Sie rannte damit die Treppe hinunter und rief nach meinem Vater. Doch der war nicht da! Ich fand es auch merkwürdig, denn ich hatte dieses Buch noch nie bei meinem Vater gesehen, denn er zeigte mir immer alle neuen Antiquitäten.
Ich nahm das Buch an mich und ging in Lillys Zimmer zurück. Wer hatte es dorthin gelegt? Ich sah aus dem Fenster und hoffte mein Vater käme gleich durch den Garten gelaufen.
Plötzlich hörte ich ein dumpfes Geräusch. Wieder lag ein Buch vor dem Spiegel. Ich nahm es auf und fand ein Pergament. Darauf erkannte ich sofort die Schrift meines Vaters. Was er da schrieb glaubt mir kein Mensch.

Lieber Ben!

Das was du jetzt liest muss unbedingt geheim bleiben! Der Spiegel vor dem du jetzt gerade stehst ist ein verzauberter Spiegel. Ich stehe dahinter und kann dich und Lilly in dem Zimmer beobachten. Die alten Amunzauberer haben diesen Spiegel vor tausenden von Jahren in einem geheimen Ritual zu einem Portal in vergangene Zeiten verwandelt. Nur wer den Winkel kennt, mit dem er durch diesen Spiegel treten kann, erhält Zugang in den Raum der Vergangenheit. Dieser Raum ist fantastisch. Er ist achteckig. An jeder Wand hängt ein Symbol an einer Tür. Hier kannst du wählen, ob du ins alte Agypten, nach Rom oder zu den Majas .möchtest. Das ist das Geheimnis meines Erfolges. Hierher kommen alle Kostbarkeiten, die ich in den verschiedenen Ländern und Zeiten gekauft habe. Ich reise durch die Zeit und stelle alle Wertsachen in diesen Raum. Doch etwas ist jetzt passiert. Ich kann nicht zurück. Warum steht der Spiegel nur bei Lilly im Zimmer? Hab ihr ihn etwa kaputt gemacht? Wenn ja, musst du mir helfen. Der Spiegel muss eine Fläche sein, ohne Sprung und anderen Schäden, sonst kann ich nicht zurückkehren. Bitte helf mir, mein Sohn!

Papa


Ich las diesen Brief bestimmt fünf Mal. Das konnte doch nicht wahr sein. Aber es war die Schrift von meinem Vater.
Nur wie sollte ich diesen Spiegel reparieren? Ich hatte keine Ahnung, also fragte ich meine Bastelschwester, Lilly, wie sie den Spiegel mit der kaputten Ecke wohl reparieren würde. Ihre Vorschläge gingen von Mosaikspiegelsteinen bis Strasssteine. Wir probierten es aus. Doch mit den Mosaiksteinen war es sehr schwer. Wir hatten immer eine Kante dazwischen, die fast noch breiter war als der feine Riss.
Doch dann hatte sie die beste Idee. Sie holte eine Rolle Alufolie, mit der sie vor kurzem noch gebastelt hatte. Ich bot ihr meine Hilfe an und wir machten uns an die Arbeit. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Der Spiegel sah aus wie neu.
Lilly rannte in die Küche um Mutter zu suchen. Sie wollte ihr zeigen wie wir den Spiegel repariert hatten.
Kaum hatte Lilly ihr Zimmer verlassen, trat mein Vater aus dem Spiegel heraus.
Ich sah es mit eigenen Augen und glaubte zu träumen, doch mein Papa war endlich wieder da. Er drückte mich fest an sich und erklärte, das er schnell das
Haus verlassen muss, um dann wieder vor der Haustür aufzutauchen. Erklären würde er mir alles später. Ich schaute in den Flur. Von Lilly und Mama war nichts zu sehen. Vater schlich aus der Hintertür in den Garten. Lilly kam angerannt und meine Mutter freute sich über unsere Arbeit, als es an der Tür schellte. Mutter öffnete die Tür und stieß einen kleinen Schrei aus und fiel unserem Vater um den Hals.
Lilly und meiner Mutter konnte mein Vater irgendwie erklären, dass er kurzfristig verreist musste. Sie glaubten ihm alles, denn sie waren froh dass er wieder gesund und munter zu Hause war.
Endlich fiel die ganze Anspannung von meiner Mutter ab. Um 20 Uhr schlief sie tief und fest auf der Couch im Wohnzimmer ein. Ich konnte es kaum erwarten mit meinem Paps zu sprechen. Er kam in mein Zimmer und begann zu erzählen:
„Als deine Mutter und ich geheiratet hatten zogen wir nach Veen.
Ich fand schnell ein altes Haus, worin ich meinen Laden einrichtete. Du kennst es ja. Beim Aufräumen der Kellerräume stieß ich auf diese alte Kommode und den Spiegel. Mein erster Gedanke war, wann kommt der nächste Sperrmüll.
Deine Mutter fand dann, dass wir die Kommode zu Dekozwecken nutzen sollten.
Wir stellten alte Bücher und Gläser darauf. Auch der Spiegel machte sich gut, weil er den Raum größer wirken ließ. Als wir alles aufgestellt hatten freuten wir uns auf die Eröffnung unseres Antiquitätenladens.
Der erste Kunde ließ nicht lange auf sich warten. Es war der alte, knauserige Typ von nebenan. Schon seit Wochen hatte er uns und unsere Ware beobachtet.
Deine Mutter nannte ihn heimlich „den stummen Kontrolleur". Sie grinste, das sollte also unser erster Kunde sein. Noch nie hatte er gegrüßt oder mit uns gesprochen. Wir waren davon überzeugt, dass der Herr taub und stumm war.
Umso überraschter waren wir als er uns mit krächzender Stimme anbrüllte.
Er sagte, dass er sich freue, dass wir endlich fertig geworden sind und dass ein Freund von ihm früher hier auch alten Kram verkauft hatte. Doch der sei dann spurlos verschwunden. Er war, nach Aussage von dem stummen Kontrolleur, ein Spinner und Träumer gewesen. Er hatte ihm erzählt, dass er durch den Spiegel in eine andere Zeit und in jedes Land gelangen könnte.
Es war nett dem alten Kauz zuzuhören, denn er kam dann regelmäßig in den Laden und erzählte mir die unglaublichsten Geschichten von seinem Freund.
Für deine Mutter war er Märchenerzähler. Sie gab ihm einen neuen Namen. Sie nannte ihn: „Kontrolleur Grimm". Das „stumme" musste wegfallen, denn er konnte ja sprechen. Glaube mir mein Sohn, deiner Mutter wäre es an machen Tagen lieb gewesen, wenn er stumm geblieben wäre. Doch mir hat es gefallen. Oft saßen wir bis in die Nacht bei einem Glas Rotwein und ich hörte ihm zu. So erfuhr ich immer mehr über seinen alten Freund und über den Spiegel. Wochenlang machte ich mir Notizen über seine Geschichten. Ich war neugierig geworden und sah den Spiegel bald mit anderen Augen. Eines Abends fasste ich den Entschluss ihn zu fragen, wie sein Freund denn diese Reisen begonnen hatte.
Da fing er an zu lachen und konnte sich gar nicht beruhigen. Er erzählte, dass sein Freund ihm gesagt hatte, dass er sich vor dem Spiegel aufstellte und ein lateinisches Wort aussprach. So ungefähr wie „Öffne dich". So genau konnte er sich nicht erinnern. Apparate oder ähnlich meinte er dann. Ich war zwar früher nie so gut in
Latein wie du aber mir fiel eine Vokabel ein die möglicherweise passen konnte. „Aperite".
Als deine Mutter für ein Wochenende zu deinen Großeltern fuhr um ihnen mitzuteilen dass sie schwanger ist, nutzte ich die Zeit und stellte mich im Laden vor den Spiegel. Ich hatte alle Fensterläden geschlossen und dachte wenn mich jetzt jemand sieht werde ich mit Sicherheit in die Klapsmühle gesteckt. Doch meine Neugier war größer. Ich fasste den Rahmen an und sagte Aperite.
Was dann geschah ließ mir die Nackenhaare senkrecht stehen.
Der Spiegel veränderte sich. Mein Spiegelbild verblasste und wurde transparent. Automatisch griff ich auf die Oberfläche, doch ich griff in einen hohlen Raum hinein. Tatsächlich konnte ich durch die Scheibe fassen.    Ich war so baff, dass ich alle Angst vergaß und mit meinem ganzen Körper durch den Spiegel stieg.
Ich befand mich in einem dunklen Raum. Voller Panik drehte ich mich um. Durch den Spiegel konnte ich in den Laden sehen. Zuerst versuchte ich wieder zurück zu gehen, was ohne Probleme möglich war."
„Und dann, Paps?" fragte ich. „Bist du wieder durch den Spiegel gegangen und wie ging es weiter?"
„Ja, aber erst am nächsten Abend. Ich vollzog das Ritual und stand in diesem kleinen Raum. Ich hatte mir eine Taschenlampe mitgenommen um den Raum genau
zu erforschen. Doch dort gab es nichts zu sehen. Nur eine einfache Tür an der gegenüberliegenden Wand.
Ich wusste, wenn ich mir jetzt ganz fest ein Land und eine Zeit vorstellte, diese Tür öffnete und hindurch trat, dass ich tatsächlich am Ort meines Wunsches sein könnte."
„Wohin bist du als erstes gegangen." fragte ich meinen Vater.
Das alte Ägypten hatte es mir angetan. Und eh ich mich versah, stand ich auf einem Basar in Luxor. Ich sah, wie die Händler ihre Waren tauschten
Für ein paar unnütze Sachen, die ich in meiner Hosentasche hatte konnte ich einige Antiquitäten erstehen.
Bei meinen nächsten Reisen nahm ich Glassteine, Münzen und Knöpfe mit um mit den Händlern zu tauschen.`
„Jetzt weiß ich auch, Paps, wie du immer so gut erhaltene Sachen hattest, schließlich sind sie gar nicht alt sondern relativ neu!"
Vater grinste. „Ja, das stimmt! Aber nur so konnte ich den Wünschen meiner Kunden entsprechen und so erfolgreich werden."
„OK, Paps," fragte ich: „ wann kann ich mal mit dir durch den Spiegel gehen?" „Auf keinen Fall werde ich dich mitnehmen, Ben. Das ist viel zu gefährlich!
Ich habe dich jetzt in mein Geheimnis eingeweiht und es muss unter uns bleiben. Das muss du mir versprechen!" "Aber, Paps, ich will unbedingt mal mitkommen. Bitte, bitte! Ich verspreche dir alles was du willst, " bat ich meinen Vater.
„Vielleicht irgendwann mal, aber jetzt ab ins Bett, es ist schon spät.

Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Ich überlegte, wie ich meinen Vater doch noch überreden konnte, mich schon demnächst mitzunehmen. Aber das wird schwierig.
Das Geheimnis teilte ich ab sofort mit ihm. Wir führten viele Gespräche wenn wir alleine zusammen saßen, ich erfuhr immer mehr über die Geheimnisse des Spiegels. Da ich meinen Paps nicht überzeugen konnte mich mitzunehmen, schmiedete ich einen Plan.
Mittlerweile wusste ich genau wie der Gang durch den Spiegel funktionierte. Ich musste nur noch einen guten Zeitpunkt finden.
Tagelang hatte ich Tauschgegenstände auf die Seite gelegt und in meinem Zimmer versteckt. Zickenlilly hätte mich fast dabei erwischt, als ich aus ihrer Bastelkiste Strasssteine und Spiegelmosaike nahm.
Dann wäre wieder Alarm gewesen und Paps hätte womöglich noch etwas geahnt. Ein paar Tage später, fand in der Nachbarschaft ein Grillfest statt. Unsere Nachbarn wollten uns willkommen heißen und luden die ganze Familie zum Essen ein.
Leider konnte ich an diesem Tag so gar nicht essen. Mir war ganz furchtbar schlecht. Ich jammerte den ganzen Tag herum und sagte dass ich so gerne mitgehen wolle, aber es wäre nicht möglich.
Mama wollte daraufhin auch zu Hause bleiben. Doch nach einem Riesenaufstand von Zickenlilly ließ sie sich doch noch überreden mitzugehen. Ich versprach ihr, mich ins Bett zu legen und zu schlafen.
Kaum waren die Drei zur Haustür raus, schnappte ich meine Sachen und ging in Lillys Zimmer.
Ich hatte Angst! Seit Tagen hatte ich mir ausgemalt wie es sein würde und in welche Zeit in reisen wollte.
Für mich war ganz klar dass ich nach Alexandria wollte. Ich wollte den Brand in der Bibliothek auf jeden Fall verhindern.
Aufgeregt fasste ich den Rahmen des Spiegels an und sagte: „Aperite".
Und es geschah so, wie Paps es beschrieben hatte. Der Spiegel veränderte sich und ich konnte mit den Armen und dann mit dem ganzen Körper durch den Rahmen gehen.
Jetzt stand ich in dem Raum der meinen Traum wahr werden lassen sollte. Ganz fest stellte ich mit die Zeit unmittelbar vor dem Brand in Alexandria vor. Dann öffnete ich die Tür.
Ich traute meinen Augen nicht. Ich stand tatsächlich vor einem großen Gebäude, der Bibliothek. Um mich herum war ein lautes Treiben und roch nach Kräutern und Gewürzen.
So richtig wusste ich nicht, wie ich mich jetzt richtig verhalten sollte. Also ging ich einfach nur herum und schaute mich um. Mir wurde mulmig. Konnte ich es wirklich verhindern, dass der Brand alles zerstört?
Ja! Das war mein größter Traum. Wie vieles würde der Menschheit erhalten bleiben, sollte ich den Brand verhindern.
Woher bekam ich Wasser um zu löschen, wie sollte ich die Menschen hier bitten zu helfen?
Alles das konnte ich gar nicht schaffen, aber ich wollte es wenigstens versuchen. "Ben!" Plötzlich hörte ich meinen Namen. „Ben, was tust du hier?'' fragte mein Vater mich.
„Paps, gut dass du da bist! Sei nicht sauer..., aber ich muss die Bibliothek retten." Ich war so froh, dass ich, natürlich nur zur Vorsicht, meinem Vater einen Zettel auf den Tisch gelegt hatte, worauf ich ihm geschrieben hatte, dass ich mal kurz
in Ägypten sei, um dort einen Brand zu verhindern.
Lilly und Mama hätten gelacht und mich mal wieder als Träumer abgestempelt. Doch Paps hat sofort reagiert. Und ich war ehrlich froh, dass er jetzt bei mir war. „Ben, du kannst die Geschichte nicht verändern. Ich weiß wie viel dir all diese Bücher bedeuten, aber das alles muss geschehen. Du kannst es alleine sowieso nicht verhindern."
„Aber Paps, vielleicht können wir ein paar Bücher retten. Kostbarkeiten!`
„Wir könnten sie niemals verkaufen oder jemanden zeigen, lass uns zurückkehren mein Sohn, hier wird es gleich schrecklich hergehen."
Widerstrebend ließ ich mich von meinem Vater wegbringen. Mein Traum war geplatzt. Sicher hätte ich allein nicht viel ausrichten können, aber es wäre so schön gewesen.
Auf dem Rückweg über den Basar fand ich eine schöne Kette. Sie war pink und ich dachte sofort an Lilly. Ich tauschte sie gegen ein paar Mosaiksteine und steckte sie in meine Tasche.
Wir waren nun lang genug unterwegs und Paps drängte auf die Rückkehr.
Völlig problemlos kamen wir durch die Tür zurück in den Raum. Ich konnte in Lillys Zimmer blicken und sah wie schön sie in ihrem Bett schlief. Oft hatte ich ihr Geschichten vor dem Einschlafen erzählt. Meistens war sie dann eingeschlafen und hatte immer so ein Lächeln auf dem Gesicht. Wenn ich sie dann ansah, war das keine Zicke mehr sondern ein Engelchen. Paps drückte ihr noch einen Kuss auf die Stirn und wünschte mir eine gute Nacht.
Ich legte ihr die Kette auf den Nachttisch und ging dann selber schlafen.
Total übermüdet schlief ich sofort ein und träumte, dass ich es doch geschafft hatte, die Bibliothek zu retten.
Am nächsten Morgen wachte ich auf. Ich hörte, dass Mama und Paps in der Küche das Frühstück zubereiteten. Es konnte doch nicht sein; dass alles hier normal weiterging, als wäre nichts geschehen.
Als ich in die Küche kam begrüßten mich meine Eltern und grinsten mich an.
„Na, Ben! Hast du gut geschlafen? Geht es dir wieder besser oder ist dir noch übel? Siehst aus, als hättest du heute Nacht mit der ganzen Welt gekämpft.
sagte Mutter.
„Ja, kann schon sein. Ich habe geträumt das ich in Alexandria war und den Brand der Bibliothek verhindert habe."
„Du bist ein Träumer, Ben!" sagte Vater. Na klar, ich habe das alles nur geträumt. „Aber es war so real. Ich habe die Gewürze wahrgenommen, ich habe die Menschen auf dem Basar gesehen...
Aber ihr habt Recht. Ich war gestern so müde und bin wohl sofort eingeschlafen." Wir setzen uns an den Frühstückstisch und begannen zu essen, als Lilly die Treppe herunter raste und Mama um den Hals fiel.
„Danke für die supercoole Kette! Meine Klassenkameraden werden vor Neid platzen! Wo hast du die her?"
„Mal langsam, Lilly. Von welcher Kette sprichst du eigentlich, ich habe dir keine geschenkt."
„Aber sie lag heute Morgen auf meinem Tisch! Schau mal wie schön sie ist!" Mir stockte der Atem, das war genau die Kette vom Basar und die war real. Dann kann der Rest doch kein Traum gewesen sein !?